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Neue Stoffe braucht das Land - Zur heutigen Diskussion der EU-Umweltminister für weniger Plastikmüll

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Ein ganzer Kontinent mit Plastik treibt auf den Meeren. Hochgiftige Substanzen in Verpackungsmaterialien belasten den Menschen und die Umwelt. Die Müllberge auf unserem Planeten wachsen rasant weiter. Es sind Nachrichten des 21. Jahrhunderts und es sind Probleme, die jetzt nach Lösungen verlangen.

Die Produkte begleiten uns tagtäglich: Die Plastikschälchen als stabile Verpackung für unser genormtes Gemüse, Stoffverbindungen für strapazier-fähige Schuhe, der Sitzbezug im Auto und die Badewanne fürs Baby. Heute ist das Wissen über diverse Materialien größer als noch vor 15 Jahren. Viele schädigen den menschlichen Organismus und hinterlassen einen ökologischen Fußabdruck, der mehr als bedenklich ist. Das Misstrauen des Verbrauchers ist inzwischen sensibler geworden. Er verlangt nach Alternativen.

Die Industrie sieht sich im Zugzwang. In ihren Augen ist das Problem der langsam versiegenden Rohölquellen ein weitaus größeres. Wird doch zu Herstellung von Plastikprodukten Erdöl benötigt.

Essbesteck zum Aufessen "Biokunststoffe" lautet die Antwort. Sie sollen uns in ein fossilknappes Zeitalter hinein begleiten. Heute gibt es Frischhaltefolien aus Zuckerrohr und Essbesteck aus Mais. Das brasilianische Unternehmen Braskem ist Marktführer für Bio-Polyethylen (PE). Die langkettigen Kunststoff-Molekühle werden nicht mehr aus Öl, sondern aus Kohlenhydraten gewonnen. Zuerst wandelt man zuckerhaltige Pflanzen wie zum Beispiel Mais, Weizen oder Zuckerrohr in Ethanol um. Erst jetzt kann man das "natürliche" PE kreieren. Bis 2020 will Coca-Cola in den USA alle fossilen Flaschen durch die "Plant Bottle" ersetzen. Ein Gefäß aus biobasiertem PET.

Ein weiterer revolutionärer Stoff ist die Polymilchsäure (PLA). Sie wird mit Hilfe von Stärke und Bakterien gebaut. PLA ist biologisch gut abbaubar. Chirurgen arbeiten mit PLA-Fäden. T-Shirts, Sitzbezüge - der Stoff kommt gut an. Einziger Nachteil: Bei über sechzig Grad treten Verformungen auf.

Bisher haben viele der neuen Bio-Stoffe zwei Attribute gemeinsam: Die Herstellungskosten sind höher als die der fossilen Konkurrenz und man benötigt Agrar-Anbauflächen.Anders der Werkstoff Lignin: Er ist der Bestandteil, der allen verholzenden Pflanzen ihre Steifigkeit verleiht. Verkocht man Holz zu Zellstoff, fällt als Abfallprodukt die Substanz an. Ein gewöhnlicher Vorgang in der Papierindustrie.

Die baden-württembergische Firma Tecnaro forscht seit rund 15 Jahren mit dem Ausschussmaterial. Bekannt geworden ist das Unternehmen mit Pumps für Gucci. Die Absätze sind aus Lignin. Tecnaro gelang es, den Stoff spritzgussfähig zu machen und so in jede denkbare Form zu bringen. "Unsere Produkte sind erdölfrei, und Lignin steht im Anbau nicht in Konkurrenz zu Nahrungsmitteln", schwärmt Geschäftsführer Jürgen Pfitzer über die Errungenschaft in einem Interview für die PresseBox. So entstehen aus Holzabfall Schuhsohlen, Zahnbürsten oder Kleiderbügel. Ende nicht in Sicht.

Quelle: GreenTech-Germany.com
http://www.greentech-germany.com/...